Wie erstelle ich ein WordPress Multisite Netzwerk in fünfzehn Minuten?

Ein WordPress Multisite Network einzurichten ist an sich nicht schwer und dauert auch nicht lange, wenn man weisst wie es geht. Trotzdem muss ich jedes mal wieder nachschlagen, wie ein Netzwerk im Detail bzw. in welcher Reihenfolge erstellt wird. Deswegen habe ich mir eine Checkliste erstellt, anhand welcher ich mittlerweile ziemlich schnell ein Netzwerk erstellt habe. Diese Checkliste inklusive einiger weniger zusätzlicher Infos findest du weiter unten. Anbei noch einige generelle Infos zu WordPress Multisite Netzwerken.

Was ist ein WordPress Multisite Netzwerk oder Network?

Zusammengefasst handelt es sich bei einem Multisite Network um eine WordPress-Installation innerhalb welcher mehrere Webseiten inkl. unterschiedlicher Domain laufen können. Die Einrichtung des Netzwerks erfolgt global durch einen Super-Administartor im Netzwerk Dashboard. Dieser richtet die einzelnen Webseiten und Domains zunächst ein. Das Ergebnis sind einzelne Websites, welche genauso aussehen, wie eine normale WordPress-Seite direkt nach der Installation aussieht. Außerdem werden Plugins und Themes zentral durch den Super-Administrator in der Netzwerkverwaltung, dem Network Dashboard, installiert, aktiviert und aktualisiert. Das spart Zeit, wenn man verschiedenen Webseiten hat, die die gleichen Plugins nutzen. Plugins um die Performance oder die Sicherheit der Seiten zu verbessern werden normalerweise innerhalb der Netzwerkverwaltung konfiguriert. Andere Plugins, wie zum Beispiel SEO Checker, werden hingegen direkt im Dashboard der jeweiligen Webseite konfiguriert. Wenn ein Plugin nicht für alle Webseiten freigeschaltet werden soll, dann kann dies über zusätzliche Plugins ermöglicht werden.

Themes werden ebenfalls in der Netzwerkverwaltung grundlegend angepasst. Hier werden Child-Themes erstellt und das generelle Aussehen eines Themes überarbeitet. Über die Verwaltung der einzelnen Webseiten lassen dich die Themes auswählen und wie gewohnt die Details der Themes anpassen. Wer sich für Details interessiert, dem empfehle ich die Erläuterungen auf WordPress.org.

Vor- und Nachteile eines Multisite Netzwerkes

Ein WordPress Multisite Netzwerk hat einige Vor- und Nachteile. Bevor du dich entscheidest, ob für dich ein Netzwerk Sinn macht, solltest du dir über diese im Klaren sein.

Vorteile:

  • Plugins müssen nur noch einmal installiert werden
  • Die Aktualisierung aller Plugins geschieht zentral
  • Kostenersparnis durch die Mehrfachnutzung des Webhostings oder Servers
  • Themes und Childthemes müssen nicht mehrfach angepasst werden
  • Der Zeitaufwand für das Aufsetzen einer neuen Webseite innerhalb des Netzwerkes ist wesentlich geringer

Nachteile oder Einschränkungen:

  • Die einzelnen Seiten einer Multisite haben normalerweise dieselbe IP
  • Alle WordPress Seiten es Netzwerks laufen beim gleichen Hoster
  • Manche Plugins sind für Multisite Netzwerk Installationen nicht geeignet
  • Die Installation dauert etwas länger und muss zum Teil manuell durchgeführt werden
  • Die Installation von Plugins und Themes kann nur zentral durch einen Super-Administrator erfolgen

Wichtige Vorrausetzungen

Prüfe zunächst ob dein Server/Hosting die Vorraussetzungen für eine WordPress Multisite Installation erfüllt.

Wenn du noch kein Webhosting erworben hast, dann kann ich das Angebote von OVH empfehlen. Die Angebote sind Multidomainfähig und die Konfiguration ist recht einfach.

Für eine WordPress Multisite Installation sind einige Vorraussetzungen notwendig. Insbesondere muss das Angebot multidomainfähig sein, damit auch mehrere Domains verwendet werden können.

Die Installation des WordPress Multisite Netzwerkes

Viele Webhoster bieten automatisierte WordPress Installationen an. So lange du danach WordPress selber aktualisieren kannst und auf die WordPress Daten, wie zum Beispiel die wp-config.php, zugreifen kannst, sollte diese Art der Installation ebenfalls funktionieren. Ich hab mich jedoch für eine manuelle Installation entschieden, da dies bis dato immer am reibungslosesten geklappt hat.

Zunächst einmal muss WordPress normal installiert werden

Wie WordPress manuell installiert werden kann, wird sehr detailliert in der WordPress 5 Minuten Installation beschrieben. Hier die wichtigsten Schritte in aller Kürze:

  1. Lade das aktuellste WordPress Paket unter https://wordpress.org/download/ auf deinen Rechner herunter
  2. Entpacke die zip- oder tar.gz-Datei
  3. Lade alle entpackten Dateien inklusive der Ordner in dein Rootverzeichnis via FTP hoch (oder das Verzeichnis in welches dein Blog/deine Nischenseite installiert werden soll)
  4. Erstelle eine MySQL Datenbank, falls nicht schon vorhanden, und notiere dir den Servernamen, Mysql-Benutzername und das Mysql-Passwort
  5. Benenne wp-config-sample.php in wp-config.php um und…
  6. …füge die Datenbankinformationen und den Secret Key innerhalb der wp-config.php ein
  7. Speichere die Konfigurationsdatei ab (und lade sie auf deinen Server, falls du die Datei offline bearbeitest hast)
  8. Öffne deine Website im Browser (z.B. www.example.com/wp-admin/install.php) -> WordPress wird installiert.
    Sollte über eine längere Zeit nichts passieren, kannst du alternativ auch anstelle der angepassten wp-config.php Datei diese wieder mit wp-sample-config.php ersetzen. Rufe dann die Seite (z.B. www.exampel.com) noch einmal auf und trage nun die MYSQL-Datenbank Informationen im Browser ein.
  9. Wähle einen Super-Admin-Namen und ein sicheres Passwort aus. Du musst dich jetzt nicht anmelden. Falls du es doch getan hast, dann melde dich besser wieder ab bevor du weitermachst.
  10. Aus der WordPress Installation wird nun ein WordPress Multisite Network
  11. Öffne die wp-config.php und trage define( ‚WP_ALLOW_MULTISITE‘, true ); über /* That’s all, stop editing! Happy blogging. */ ein und speichere die Datei ab. Falls du die Änderung nicht direkt auf deinem Server durchgeführt hast, lade die wp-config.php auf den Server hoch und überschreibe die alte Datei.
  12. Melde dich jetzt als als Admin auf deiner WordPress-Seite an.
  13. Rufe unter Werkzeuge  -> Netzwerk Einrichtung auf
  14. Wähle den Punkt Unterverzeichnisse aus, wenn du möchtest, dass jede Webseite des Netzwerks eine eigene Domain besitzt. Wer Subdomains benutzen möchte, kann dies natürlich auch tun. Ich bevorzuge es jedoch, dass jede Website im Multisite Netzwerk eine eigene individuelle Domain besitzt. Dies geht jedoch nur, wenn du eine „frische“Wordpresseite installierst.
  15. Füge einen Netzwerknamen und deine Admin Emailadresse ein und installiere das Netzwerk
  16. Nach der Installation siehst du ein Fenster mit zwei vorbefüllten Textfeldern
  17. Sicher ist sicher. Mache von deiner wp-config.php und deiner .htaccess Datei erstmal ein Backup
  18. Kopiere die Daten aus dem ersten Feld in deine wp-config.php und speichere diese auf dem Server wieder ab. Dies sollte dann bei dir wie folgt aussehen:
  19. Kopiere die Daten aus dem zweiten Textfeld in die .htaccess und ersetze sämtliche anderen WordPress-Einträge. Wenn es sich um eine „frisches“ Hosting handelt, dann werden voraussichtlich nur WordPress-Einträge vorhanden sein. Sollte die .htaccess so aussehen, dann bist du eher im falschen Ordner.

Diese .htaccess wird es eher nicht sein…

Die .htaccess wird in dem Verzeichnis liegen, in welchem du WordPress installiert hast.

…diese .htaccess eher schon

Die neuen angepassten Daten in deiner .htaccess Datei

  1. Melde dich nochmal an -> das Netzwerk ist nun installiert!

Das erste Netzwerk Plugin

Ich installiere dann immer sofort das private4time Plugin. So kann ich in Ruhe an den ersten Seiten arbeiten. Die Installation im Netzwerk läuft immer über das Netzwerk Dashboard.

  1. Gehe auf  Meine Websites -> Netzwerkverwaltung -> Plugins und installiere wie gewohnt das private4time plugin
  2. Nach der Installation wirst du gefragt, ob das Plugin für das ganze Netzwerk freigeschaltet werden soll. Ohne ein zusätzliches Netzwerkmanagement Plugin musst das Plugin erstmal für alle Seiten installieren. Ich plane jedoch eine alternative Methode vorzustellen, mit der Netzwerkfreischaltungen flexibler durchführt werden können.

Domain Mapping – Jede Webseite erhält ihre eigene Domain

Das passende kostenlose Domain Mapping Plugin

Damit du mehrere Websites in deinem Netzwerk installieren kannst und diese dann auch immer mit ihrer eigenen URL im Browserfenster angezeigt werden, benötigst du eine entsprechende Plugin, welches dies für dich erledigt
Das kostenlose Plugin WordPress MU Domain Mapping leistet hier sehr gute Dienste. Es ist zwar schon ein wenig älter, funktioniert jedoch immer noch reibungslos.

MU Domain Mapping – kostenlos und zuverlässig

  1. Installiere das Plugin WordPress MU Domain Mapping und aktiviere es für das ganze Netzwerk.
  2. Kopiere oder verschiebe die Datei sunrise.php aus dem MU Domain Mapping Plugin Verzeichnis in das das wp-content Verzeichnis.
  3. Jetzt darfst du mal wieder die wp-config.php um eine zusätzliche Code-Zeile erweitern. Füge define( ‚SUNRISE‘, ‚on‘ ); wieder einmal oberhalb der „happy coding“ Zeile.

Und schon ist das Plugin vollständig installiert.

Die Domains deinem Webhosting zuordnen

Bevor das eigentliche Mapping durchgeführt werden kann, musst du alle Domains, die du im Netzwerk haben möchtest, deinem Webhosting Paket zuordnen. Der Möglichkeiten gibt es hier viele. Jeder Hoster hat hier seine eigene Vorgehensweise. Für OVH habe ich eine kurze Anleitung, wie Domains ganz einfach hinzugefügt werden können  erstellt. Für Alfahosting plane ich auch noch eine Vorgehensbeschreibung. Für CPANEL Benutzer gibt es eine kurze Anleitung auf der MU Domain Plugin Seite.

Das Domain Mapping einrichten – Das Netzwerk füllt sich

  1. Nun geht es zurück zum Dashboard als Super-Admin: Gehe auf Einstellunge -> Domain Mapping und richte die Domain Mapping Tabelle mit deiner IP oder mit den CNAME Daten deiner Webhosting Hauptdomain ein.
    Alle die keinen eigenen Server mit fester IP besitzen, werden die CNAME Variante benötigen. In der Plugin Beschreibung findet ihr weitere Infos für deinen Einzelfall.HIer wird zum Beispiel auf die Verwendung von CPanel eingegangen.

Solltest du, wie ich bereits einmal, des Wahnsinns gewesen sein und auf die Idee gekommen sein, eine Domain mit Umlauten (IDNA-Domains – Internationalized Domain Names in Applications) ausgesucht zu haben, dann musst die URL  in der maschinenlesbaren Variante (ASCII-Darstellung – ACE-Form) eingeben. Zumindest hat es bei mir nur so zuverlässig funktioniert. Den Domain-Namen kannst du mit dem Denic Konverter aber sehr einfach umwandeln lassen.

  1. Bei den Domain Options wähle ich alle Optionen, außer der Permanent redirect Option, normalerweise ab.
    Über Remote Login (sorgt für die Unabhängigkeit der einzelnen Websites, User domain mapping page (Disabled die Domain Mapping Optionen für den normalen Benutzer) und Redirect administration page (Umleiten auf die nicht gemappte Adresse) solltest du dir Gedanken machen, wenn die Domain und Websites innerhalb des Netzwerks strikter getrennt sein sollen. Detailliertere Infos findest du auf der Plugin Seite.
  2. Wenn du die beiden oberen Punkte konfiguriert hast, speicherst du ab und gehst dann im Dashboard auf Websites -> neu hinzufügen.

    Trage unter Website Adresse einen beliebigen Namen für das Unterverzeichnis ein. Kein www. oder ähnliches.
    Unter Titel kannst du schon mal den jeweiligen Titel der Webseite eintragen. Dieser kann jedoch auch später noch geändert werden. Unter Administrator Email Adresse die entsprechende Adresse.
    Speichere ab und führe diesen Schritt für alle Websiten aus, die ins Netzwerk sollen. Einzig die Hauptdomain des Webhostings muss hier nicht noch zusätzlich eingetragen werden. Webseiten können jedoch auch später noch eingefügt werden.
  3. Wechsle anschließend auf Websites -> alle Websites. Wenn du hier auf die einzelnen Websiten mit dem Mauszeiger gehst, siehst du am Ende der Statusanzeige deines Browser die ID der Seite. Merke dir diese IDs für alle Domains außer für die Hauptdomain.
  4. Gehe nun im Dashboard auf Einstellungen -> Domains.Jede Domain wird nun normalerweise mindestens zweimal eingetragen. Einmal mit und einmal ohne die www-Subdomain. Die Seiten-ID bleibt bei beiden Varianten immer gleich. Mit dieser ID führt WordPress die Zuordnung zwischen Domain und dem Unterverzeichnis der Webseitenadresse durch. D.h. dass sowohl die Variante mit der www-Subdomain und die ohne auf dasselbe Verzeichnis verweisen werden. Natürlich sind auch noch weitere Subdomain Kombinationen möglich.
    Trage nun die Seiten ID und die Domain ein. Überlege dir, ob deine Besucher jeweils die Adresse deiner Seite mit oder ohne „www.“ sehen sollen. Bei der gewünschten Variante musst du das Häkchen bei „Primary“ setzen.
    Führe diese Schritte für alle Websiten/Domains deines Netzwerkes durch. Falls eine Webseite später einmal dazu kommen sollte, dann musst du die Schritt ab Punkt 3 einfach noch einmal durchführen.
  5. Jede einzelne Website deines Netzwerkes ist nun über das Menu links oben aufrufbar. Viel Spaß mit deinem Netzwerk!

Ich hoffe das ganze ist einigermaßen verständlich. Für Fragen und Anregungen bin ich überaus dankbar.

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